Florian Lützen

Universität Hamburg

Betreuerin: Prof. Dr. Katajun Amirpur

Florian Lützen aus Stuttgart hat in Khartum (Sudan), Bremen und Münster Arabistik/Islamwissenschaft und Islamische Theologie studiert.

Studie zum Kommentar Ahmad Ibn ʿAdjibas zu den Lehren des Ibn ʿAtaʾ Allah as-Sakandari 

Recht und Ethik befinden sich in einem andauernden Widerstreit, denn der Mensch lässt sich weder allein mit äußeren Mitteln noch ausschließlich von inneren Motiven beeinflussen. Die Frage, wie Recht und Ethik in der Religion vereinbart werden können, ist unter anderem Gegenstand der Lehren des Ahmad ibn ʿAdjiba (gest. 1124/1808). Der systematische Kommentar Ibn ʿAdjibas zu den Lehrsätzen des Ibn ʿAtaʾ Allah as-Sakandari (gest. 709/1309) zeichnet ein Bild der Lehren der Shaduliyya-Tradition, die über die Jahrhunderte das Verhältnis und die Ziele von Recht (fiqh) und Glaubenslehre (ʿaqida) behandelten – der Mensch zwischen in- und extrinsischer Motivation.

Ein solches Weltbild birgt einen theologisch-anthropologischen Ansatz, der sich bei Ibn ʿAdjiba unter anderem zu einem systematischen Kommentar zur Beschaffenheit des Menschen und seinen Zielen herauskristallisiert. In gewisser Hinsicht trifft diese Herangehensweise auf viele Gelehrte zu, die sich dem Sufitum widmeten. Ibn ʿAdjiba jedoch verschiebt den Blickwinkel mitunter gerade um so viel, dass ein Blick auf die theologischen Lehren allein aus der Wahrnehmung des Menschen heraus möglich ist. Auf diese Weise lassen sich Glaubensätze wie etwa Aufrichtigkeit, Gottesehrfurcht und Unglaube anthropologisch unter islamischen Vorzeichen betrachten.

Inwiefern derlei Ansätze in der heutigen Theologie von Nutzen sind und welche Schlüsse sich daraus für die geistesgeschichtliche Moderne des Islams ergeben, ist Erkenntnisinteresse der Arbeit. Sie geht davon aus, dass es einer grundlegenden Aufarbeitung der Traditionen, die im Islam bis zum Eintritt der Moderne vorherrschten, bedarf um einen Anschluss an moderne Kontexte beziehungsweise einen Neuanfang der Islamischen Theologie zu ermöglichen.