Noha Abdel-Hady

Akademie der Weltreligionen Hamburg

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Katajun Amirpur
Zweitbetreuer: Prof. Dr. Mouez Khalfaoui, Tübingen

Noha Abdel-Hady stammt aus Hamburg und hat dort Islam-, Religions- und Politikwissenschaften studiert. Während des Studiums arbeitete sie am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht.

E-Mail: noha.abdel-hady(at)uni-hamburg.de

Rechtswissenschaftliche Perspektiven zur Entstehung von Rechtsgenres am Beispiel der frauenbezogenen Jurisprudenz (fiqh an-nisāʼ): Ein rechtssystematischer Prozess im Wandel

Der Begriff fiqh an-nisāʼ fand mit der Ausdehnung medialer Kommunikationselemente in den späten 1990er Jahren in populärwissenschaftlichen arabischsprachigen Publikationen förmlich inflationäre Verwendung. In Folge erschienen zahlreiche populärwissenschaftliche und rechtsliterarische Werke, die die Stellung der Frau in der Islamischen Jurisprudenz (fiqh) behandelten.

Die Einteilung von Rechtsthemen in Genre stammt ursprünglich aus der Literaturwissenschaft und Philologie. Die Begrifflichkeit fiqh an-nisāʼ wird in dieser Arbeit in seiner literarischen Darstellung universalisiert und dadurch zum Rechtsgenre deklariert. Dabei stellt sich die Frage, wie Rechtsgelehrte klassische, allgemeinbezogene Rechtsbestimmungen mit kulturellen Annahmen, rechtspraktischen Anforderungen des herrschenden Zeitgeistes sowie mit literarischen Typologien und rechtsbezogenen Inhalten füllen, um diese zu partikularen Rechtsgenre zu deklarieren. Welche gattungstypologischen Merkmale weisen rechtsthematische Kategorisierungen damit auf und wie lassen sie sich in den klassischen und zeitgenössischen Rechtsdiskurs einordnen?

In dieser Arbeit wird die frauenbezogene Jurisprudenz in Rechtswerken ausgewählter muslimischer Juristen der post-klassischen Periode anhand gattungstheoretischer Merkmale rechtssystematisch analysiert und ermittelt. Dabei soll die Rekonstruktion der Systematik sowie der komplexen historischen Entwicklung von Rechtsgenre aufgezeigt werden.

Die Arbeit unternimmt dabei eine differenzierte Darstellung und Untersuchung der Bedeutung zentraler Termini und Inhalte des Rechtsgenres fiqh an-nisāʼ und kontextualisiert sie rechtshistorisch. Damit verfolgt sie zwei Zielsetzungen: Erstens sollen die semantische Entwicklung des Rechtsgenre fiqh an-nisāʼ und dessen Bedeutungswandel gegenüber den klassischen Bezugstexten sowie die Revision der inhaltlichen Merkmale innerhalb des gesamten Rechtsgefüges sichtbar werden. Durch die Situierung der thematischen, systematischen und terminologischen Entwicklung des Rechtsgenres fiqh an-nisāʼ inmitten des rechtswissenschaftlichen Kontexts sollen zweitens wesentliche Aspekte ihrer Relevanz für die rechtstypologische Diskussion innerhalb der Islamischen Jurisprudenz verdeutlicht werden. Die Untersuchung religiöser Rechtgenre kann damit neue Dimensionen der islamischen Rechts -und Genreforschung eröffnen.

Publikationen

Abdel-Hady, Noha/ Schardien, Stefanie (2013): "Eine Witwe fordert Gerechtigkeit". In: Bibeltext Lukas 18,1–8, Lechner, S./ Stauff, H. (Hrsg.): Deutscher Evangelischer Kirchentag Hamburg 2013, S. 101-115.

(Hrsg.): Deutscher Evangelischer Kirchentag Hamburg 2013, S. 101-115.Mitarbeit in Saphir 9/10 (2014): Lehrerkommentar. Kösel-Verlag.

Noha Abdel-Hady: „Spirituelle Begleitung aus muslimischer Sicht.“ In: H.J. Müller (Hg.): Was trägt am Ende des Lebens? Spirituelle Begleitung aus Sicht von Juden, Christen und Muslimen. Nr. 14, 2014, S. 12-13.

Noha Abdel-Hady: „Islamisch-feministische Gesellschaftskritik. Verschleierte Emanzipation und feministische Identität. Heba Ra‘uf ‘Ezzat und ‘Abla al-Kahlawi.” In: HIKMA: Theology and Religious Education, Nr. 4, 2012, S. 9-29.