Tolou Khademalsharieh

Universität Münster

Betreuer: Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Tolou Khademalsharieh ist in Teheran geboren und studierte in Berlin Arabistik. Bereits während des Studiums arbeitete sie im Projekt Corpus Coranicum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit frühen Koranmanuskripten.

Drei frühe Koranhandschriften und ihr Beitrag zur frühen Textgeschichte des Korans

Die frühen Koranmanuskripte, die in zahlreichen Bibliotheken in Europa und im Nahen Osten sorgfältig aufbewahrt werden, sind wertvolle Zeugnisse der Genese des Korantextes, der primären Quelle des islamischen Glaubens. In der islamischen Tradition überwiegt jedoch die mündliche Überlieferung gegenüber der schriftlichen deutlich, und die heute unter den Muslimen verbreiteten Koranausgaben gründen ausschließlich auf der mündlichen Überlieferung. Im akademischen Bereich fordert die historisch-kritische Methode allerdings die Auseinandersetzung mit materiellen Evidenzen, also die Erforschung der ältesten schriftlich festgelegten Textfunde. Aus diesem Grund möchte die Dissertation einen Beitrag zur frühen Textgeschichte des Korans im Lichte der auf Pergament niedergeschriebenen frühen Koranmanuskripte leisten.

Da im Arabischen die Kurzvokalzeichen nicht Teil der Schrift sind, sondern meist bedingt gesetzte zusätzliche Zeichen, werden drei fast vollständige Korankodizes, welche über die früheste Form der Vokalisierung verfügen, untersucht. Durch eine genaue Identifizierung der Vokalisationssystematik in jedem Kodex wird eine korrekte Dekodierung des Textes erst möglich. Dem- entsprechend wird eine zeilen- und zeichengenaue Transliteration jeweils eines Teils der drei untersuchten Kodizes erstellt. Darüber hinaus werden die theologisch zu diskutierenden Lesartenabweichungen in mehreren vergleichbaren Koranmanuskripten untersucht, kritisch erörtert und in Form eines kritischen Apparats in der Transliteration dargestellt.

Da alle drei Kodizes paläographisch in das 8. bzw. 9. Jh. datiert werden und deren Vokalisierung vermutlich zeitnah zu ihrer Niederschrift stattgefunden hat, kann die erstellte Transliteration sowie deren textkritischer Apparat einige im Fluss befindliche Lesarten des Kornatextes vor ihrer Kanonisierung im 10. Jh. reflektieren. Welchen theologischen und hermeneutischen Wert eine solche Studie im Bereich der Koranexegese haben könnte, wird im Rahmen der Dissertation ebenfalls diskutiert.