Ufuk Topkara

Universität Paderborn

Betreuer: Prof. Dr. Klaus von Stosch

Ufuk Topkara stammt aus Berlin, studierte an der dortigen Humboldt-Universität und an der Harvard University Geschichte und Philosophie. Als Islam-Referent der Evangelischen Akademie Berlin, Mitglied des Jewish-Turkish Roundtables for Dialogue in Berlin und der Katholischen Akademie „Christentum und Islam“ engagierte er sich im interreligiösen Dialog. 

Konvergenz von Glaube und Vernunft im Islam. Eine Theologie der Ästhetik

Betrachten wir den Koran, kommen wir nicht umhin eine systemische Offenheit der göttlichen Offenbarung festzustellen. Nach muslimischem Verständnis nimmt unsere Suche nach Gott im Koran ihren Ausgangspunkt. Der Koran ist aber nicht nur deren Ausgangs-, sondern zugleich ihr Orientierungspunkt. Von hier aus brechen die Muslime auf, um Gott nicht nur zu suchen, sondern sich von dieser Suche auch berühren und verändern zu lassen. Dies geschieht aber wiederum unter dem Vorzeichen, dass es keine letztverbindliche, autoritäre Antwort auf unsere Suche geben kann. Muslimische Gelehrte wie Hamid al-Ghazali (gest. 505/1111), Fakhr ad-Din ar-Razi (gest. 606/1209) oder Djalalu d-Din as-Suyuti (gest. 911/1505) haben immer wieder betont, dass wenn Gott von uns eine letztverbindliche Antwort auf unsere Suche erwartete, er den Koran folgerichtig hätte eindeutig formulieren müssen. Wir müssen vielmehr annehmen, dass der Koran eine autoritative Quelle darstellt, von der ausgehend der göttliche Wille gesucht und ergründet werden soll.  

Der Koran bietet eine Reihe von Leitlinien, die dieses Streben nach Gott einbetten, begleiten, gleichsam erhellen. Sie handeln von Liebe, Gerechtigkeit, Fairness, Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Mildtätigkeit usw. In der islamischen Tradition hat die Suche nach Gott vielfältige Formen angenommen. Einen spezifischen Niederschlag hat sie aber in der Unterscheidung zwischen husn (die Tugendhaftigkeit, die Schönheit oder das Schöne) und qubh (das Verwerfliche, das Hässliche) gefunden.

Der Begriff des Schönen ist ein Konzept der göttlichen Offenbarung. Der islamischen Tradition zufolge hat der Prophet Muhammad Gott mit der Formel „Gott ist schön und liebt das Schöne“ beschrieben.

Ziel dieser Arbeit ist es, durch eine Auseinandersetzung mit den Debatten um husn und qubh eine Theologie zu entwickeln, die die Konvergenz von Glaube und Vernunft im Islam vertieft und bereichert. Besonderes Augenmerk wird auf der Verschiebung der Deutungsebene liegen. Während die alte Debatte um husn und qubh von strukturalistischen Argumenten geprägt ist, soll die Arbeit einen Weg zu einer ästhetisierenden Argumentation aufzeigen. Hierdurch soll auch der großen Sehnsucht der Muslime Rechnung getragen werden. Die Suche nach Gott, die mit Hilfe des Korans und dem prophetischen Leben ergründet wird, mündet in der Teilhabe an dem Schönen und der Tugendhaftigkeit.

Publikationen

Ufuk Topkara: „Der Prophet Muhammed im Spannungsfeld der muslimischen und nicht-muslimischen Wahrnehmung.“ In: Klaus von Stosch und Tuba Isik (Hg.): Prophetie in Islam und Christentum, Paderborn 2013.

Ufuk Topkara: „Wa Allahu a’lam – Und Gott weiß es besser. Eine Replik auf die Theologie der Barmherzigkeit.“ In: Milad Karimi, Mouhanad Khorchide und Klaus von Stosch (Hg.): Theologie der Barmherzigkeit? Zeitgemäße Fragen und Antworten des Kalam. Münster 2014.

Ufuk Topkara: „Islam in Germany Revisited: The Circumcision  Debate.” In: AICGS 2012.

Ufuk Topkara: „Challenging times: Muslims and their role in shaping the future of Germany. “ In: AICGS 2012.

Ufuk Topkara: „Interkulturelle Museumsarbeit mit Jugendlichen: Erfahrungen aus dem Jüdischen Museum in Berlin.“ In: Viola B. Georgi und Rainer Ohliger (Hg.): Geschichtsbilder Junger Migranten: Einsichten und Ansichten zu Geschichte in der Deutschen Einwanderungsgesellschaft. 2009.

Ufuk Topkara: „Ist es im Islam nicht auch so?" Führung von jungen und erwachsenen Migranten und Migrantinnen aus mehrheitlich muslimisch sozialisierten Milieus durch das Jüdische Museum Berlin – welche Hürden sind zu überwinden, welche Ängste und Vorurteile bestehen, wie lassen sich diese überwinden, was ist möglich und was nicht?“ In: Amadeo Antonio Stiftung (Hg.): „Die Juden sind Schuld.“ Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Berlin 2008.