Zishan Ahmad Ghaffar

Universität Münster

Betreuer: Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

Zishan Ahmad Ghaffar stammt aus Kiel, wo er Philosophie, Islamwissenschaften und evangelische Theologie studiert hat und Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung war.

Zur Kriterienfrage in der Leben-Muhammad-Forschung

Wer war Muhammad? Die Literaturgattung der Prophetenbiographie (sira) gibt diesbezüglich ein sehr detailliertes Bild der Prophetengestalt. So scheint es keinen Aspekt der Persönlichkeit und des Werdeganges des Propheten zu geben, der nicht durch das traditionelle muslimische Quellenmaterial zur Frühgeschichte des Islams abgedeckt wird. Gerade vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum der Orientalist Ernest Renan Mitte des 19. Jahrhunderts bekennen musste, dass der Islam „in the full light of history“ geboren wurde. Diese optimistische Einschätzung musste allerdings im Lauf der folgenden Jahrzehnte der Erkenntnis weichen, dass es sich im Falle der muslimischen Geschichtsüberlieferung um Tendenzschriften handelt, die einen dezidiert hagiographischen Charakter haben. Fragt man also nach dem historischen Muhammad, bleibt es ein methodentheoretisches Desiderat der Forschung, suffiziente Kriterien zur Rekonstruktion der historischen Gestalt des Propheten zu explizieren. Im Rahmen dieses Promotionsvorhabens sollen auf der Grundlage eines forschungsgeschichtlichen Vergleichs mit der Leben-Jesu-Forschung neue Perspektiven für die Muhammadforschung aufgewiesen werden. Dabei stellen die längere Forschungstradition und der weitaus fortgeschrittenere Stand der Kriteriendiskussion in der Jesusforschung eine aussichtsreiche Basis für komparative Analysen dar. Hier könnte nicht zuletzt eine Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Quellen der jeweiligen Forschungstradition zu dem Ergebnis führen, dass gerade auf der kriteriologischen Ebene ein Methodentransfer sinnvoll sein kann. Die Erkenntnisse der Arbeit sollen auch einen Beitrag zu der Frage leisten, wie die Ergebnisse methodentheoretischer Überlegungen beim Verfassen wissenschaftlichen Biographien in Anschlag gebracht werden können.